
GIs in Europa nutzten jede Gelegenheit, die Augen zu schließen und den Schlaf zu bekommen, den sie zum Kämpfen brauchten – und sei es nur fur eine Minute.
Schlaf ist eine der wertvollsten Ressourcen im Krieg und zugleich die am häufigsten knappe Ressource. Körperliche Erschöpfung, kombiniert mit der Belastung des Kampfes, zermurbt selbst die jungsten, fittesten Männer. Ob beim Vorrucken oder Ruckzug, ob im Biwak an der Front oder etwas weiter hinten – Schlaf, trotz seiner erholsamen Wirkung, ist Mangelware.
Im Zweiten Weltkrieg sorgten feindliche Scharfschutzen, Artilleriefeuer und gelegentliche „Bed Check Charlies“ – einzelne feindliche Flugzeuge, die nachts Bomben abwarfen oder uber ruckwärtige Gebiete flogen, nur um die Soldaten am Schlafen zu hindern – fur Adrenalinschube und Nervenzerruttung. Amerikanische Soldaten in Europa hingegen improvisierten, nutzten jede ebene Fläche als Bett und lernten sogar, im Stehen zu schlafen oder beim Marschieren ein leichtes Nickerchen zu machen.
GIs lernten die Regel „Beeil dich und warte!“ und nutzten sie aus. Schon vor ihrer Verschiffung lernten Soldaten den Wert von Ruhe kennen. Während Wintermanövern in North Carolina fand Leutnant Van Mayhall keinen Schlafplatz und lehnte sich bei leichtem Regen unter einem Baum zuruck. Er dachte: „Meine Mutter hätte bestimmt gedacht, wir wurden uns alle möglichen Erkältungen, Grippe und Lungenentzundung einfangen.“
Während der Kämpfe im Landesinneren von den Stränden der Normandie aus kämpften die Soldaten der 101. US-Luftlandedivision drei Tage lang ohne ausreichende Nahrung und Schlaf und erlitten Phasen, in denen sie sich nicht mehr erinnern konnten und sich später an Teile der Schlachten um Carentan nicht mehr erinnern konnten.





Selbst nachfolgende Truppen spurten die Erschöpfung schon lange vor Erreichen des Schlachtfeldes. Private Roscoe Blunt von der 84. Infanteriedivision soll auf dem Marsch von Omaha Beach ohnmächtig geworden sein. Beschwert von seiner Ausrustung, mit Blasen an den Fußen und wund gescheuerten Schultern vom Feldrucksack brach er zusammen, während andere Männer uber ihn hinwegmarschierten. Als er wieder zu sich kam, half ihm ein Sanitäter auf die Beine und brachte ihn zu einer abgelegenen Stelle. Doch, so erinnerte er sich, „als der Sanitäter sprach, konnte ich nicht mehr zusammenhängend antworten, da meine Sinne nicht mehr funktionierten.“ Blunt war nicht allein. Fast ein Viertel der landeinwärts ziehenden Soldaten brach den Marsch ab und musste mit Lastwagen zu ihrem endgultigen Bestimmungsort transportiert werden.
Panzerfahrer John P. Irwin, der sich mit der 3. Panzerdivision nach Deutschland kämpfte, schlief oft ein, wenn sein Panzer angehalten wurde. Er sagte: „Schlaf war einfach etwas, das passierte, nicht etwas, das jemand tatsächlich tat.“ Fast jedem Soldaten in Europa erging es ähnlich. Jeder Veteran kann von seinem anstrengendsten Tag beim Militär erzählen.
General George S. Patton Jr. wusste, wie wichtig Ruhe fur seine Truppen war. Als er seinen Kommandeuren, die fur die Befreiung Frankreichs trainierten, Befehle erteilte, wies er sie an: „Mudigkeit macht uns alle zu Feiglingen. Wer in Form ist, wird nicht mude … Wer sich nicht ausruht, hält nicht durch.“



